Die Vorgeschichte zur Gründung unseres Vereins begann bereits im Jahre 1911, als sich 7 bis 8 Personen zu einer Naturistenvereinigung zusammenschlossen. Treffpunkt war ein Gelände in Kaltenbach bei Ründeroth, das einer Duisburger Familie gehörte. Im Herbst 1911 kam eine Familie Becker hinzu, die in der Nähe unseres heutigen Geländes wohnte. Diese Familie machte ein hinter "Haus Juliana" gelegenes und geeignetes Gelände ausfindig. 1912 pachtete die Vereinigung dieses Gelände und stellte dort eine von einem Wittener Fußballclub gekaufte Holzhütte auf. Alsbald bildete das Gelände einen Mittelpunkt für die Anhänger unserer Bewegung bis weit nach Rheinland und Westfalen hin. Pfingsten 1913 fand dort das Allthing derr L.d.a.L. (Loge des aufsteigenden Lebens) statt, deren Initiator Richard Ungewitter war. Es kamen Freunde aus ganz Deutschland. Dieses Ereignis gab dem Bund Auftrieb, so daß sich im September 1913 schon bis zu 35 Erwachsene mit Kindern auf dem Gelände einfanden. Unstimmigkeiten mit der Nachbarschaft und Unzulänglichkeiten der örtlichen Gegebenheiten waren aber der Anlaß, nach einem anderen Gelände zu suchen.
Ostern 1914 konnte man einen Teil des heutigen Geländes in Betrieb nehmen. Es waren etwa 110 Morgen Waldgebiet, die von einem Bauern Mühlinghaus gepachtet wurden. Die Hütte wurde mitgenommen und auf das neue Gelände versetzt. Der folgende 1. Weltkrieg ließ das Geländeleben veröden. Es gelang aber in diesen Jahren einer Familie Hardt, das gelände zu ihrem Eigentum zu machen. Erst im Frühjahr 1919 begann sich wieder das Leben der L.d.a.L.-Mitglieder auf dem Gelände zu regen. Durch das Ende der Monarchie und mit dem Beginn der deutschen Nachkriegsjahre hatte sich auch das öffentliche Leben stark gewandelt. Mit der neuen Staatsform lockerte sich die Ablehnung gegen die naturistischen Bestrebungen. Dieses ermöglichte eine bessere Entwicklung der FKK-Vereine.
1920 beschloß das Allthing in Hannover die Änderung des Namens "Loge des aufsteigenden Lebens" in "Treubund für aufsteigendes Leben" (Tefal). 1921 beging der Tefal sein llthing auf unserem Gelände. Teilnehmer aus ganz Deutschland kamen, allein der Gau Frankfurt/Main war mit 12 Mitgliedern vertreten. Als Erinnerung an dieses Ereignis entstand die neue Hütte, unsere heutige Jugendhütte. Das hatte eine weitere Steugerung des Geländelebens zur Folge, die günstige Lage zum Ruhrgebiet zog viele Menschen an.
Das Jahr 1923 brachte den Bruch mit Richard Ungewitter. Er verschärfte seine Satzung, hatte starke völkische Tendenzen und forderte ein Bekenntnis zu einer politischen Partei. Auf einer Versammlung im November 1923 wurde dann der Beschluß gefaßt, den Gau Wuppertal vom Tefal zu trennen, dem sich die anderen westlichen Gaue anschlossen.
Um ein Auseinanderfallen der Anhänger im Reich zu vermeiden, wurde im Frühjahr 1924 die Gründung eines neuen Bundes erwogen. Die noch vorhandene Gründungsurkunde wurde bei einer Versammliúng am Sonntag, den 29. Brachet (Juni) 1924 am Rheinufer nahe Zons, gegenüber von Benrath, erstellt. Hier hatten sich die Mitglieder der vormaligen Tefalgaue Bergisch Land Elberfeld, Düsselgau Düsseldorf, Köln und Niederrhein Duisburg zu Beschlußfassung für die Gründung eines neuen Bundes im Rahmen der Reichsarbeitsgemeinschaft der Bünde deutscher Lichtkämpfer zusammengefunden. Es wurde der in einer Vorbesprechung am 14. Brachet 1924 aufgestellte Satzungsentwurf durchgesprochen und beschlossen, den neuen "Lichtbund, Vereinigung für Lebenserneuerung" genannten Bund aufgrund dieses Entwurfes zu gründen. Das war gleichzeitig die Geburtsstunde des "Lichtbundes Wuppertal". Als Bundesleiter wurde Wilhelm Schreff, Duisburg, gewählt.
Die Zahl der Mitglieder, die sich die Ziele des neuen Bundes zu eigen machten, wuchs ständig, wenngleich immer noch viel Mut dazu gehörte, sich unbekleidet, ohne Trennung der Geschlechter und Altersgruppen in Licht, Luft und Sonne zu bewegen.
Der Besitzer des Geländes, Freund Hardt, wollte 1926 verkaufen. Trotz des wirtschaftlichen Tiefpunktes und sonstiger Schwierigkeiten gelang es den Mitgliedern unter Opfern, ihre Mittel zusammenzulegen, um den Erwerb des Geländes, 8.000,- RM für ca. 55.000 qm, zu bewerkstelligen. 3.000,- RM wurden durch ein Darlehen der Mitglieder bezahlt, während eine Resthypothek von 5.000,- RM bestehen blieb. Diese wurde nach und nach getilgt und im Jahre 1965 endgültig gelöscht.
Die Eintragung in das Vereinsregister der Stadt Wuppertal erfolgte am 29. Juli 1928.
Die Mitgliederzahl wuchs bis zum Ende der 20er Jahre auf 150 Personen an, und mit dem weiteren Ausbau des Geländes nahmen auch die sportlichen Betätigungen verschiedener Arten zu. Man errichtete einen Badeteich, dessen Damm aber durch den ungeeigneten Untergrund nie richtig Wasser halten konnte. Der Bau eines Brunnens 1937 sorgte für frisches trink- und Waschwasser. Einige Freunde machten sich an den Bau von bescheidenen Hütten am Rande des Geländes und sorgten für den nötigen Sichtschutz.
Als man 1932 den sogenannten Zwickel-Erlaß einführte, womit der Zwang zur Bekleidung angesagt war, berührte das den Lichtbund durch seine geschützte Geländelage noch wenig. Schlimmer wurde die Lage durch den Göring-Erlaß vom März 1932 mit dem Ziel, die Nacktkultur zu vernichten. Man behielt den Kopf oben und bewegte sich zunächst in Sportkleidung oder hatte sie stets bei der Hand, um sie nach Warnung sofort anzulegen. Wie sollte es aber weiter gehen? War das Ende der Freikörperkultur durch den Nationalsozialismus besiegelt? Das erwarben sich zwei Männer unserer Bewegung große Verdienste. Sie nahmen den Kampf für die Sache auf und haben letztendlich gewonnen. Es waren Karl Bückmann und Fred Hasselblatt, letzterer war zeitweilig Vorsitzender des LBW. Das Geländeleben wurde in seiner Art geduldet, aber der Vereinsname mußte in "Gemeinschaft Wuppertal des Bundes für Leibeszucht" geändert werden als Mitglied im "Bund für Leibeszucht im nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen".
Der 2. Weltkrieg ließ den Geländebetrieb jedoch auf ein Minimum abebben.
Die Kenntnisse über den bisher geschilderten Verlauf des Werdeganges unseres Bundes verdanken wir zum großen Teil dem Vortrag von Dr. Paul Wentges, den dieser anläßlich eines Schulungslagers des Bundes für Leibeszucht am 17. August 1940 auf unserem Gelände hielt. In Anbetracht dessen, daß der größte Teil aller Unterlagen des Lichtbundes Wuppertal bei einem Bombenangriff der Alliierten Streitkräfte auf Wuppertal 1943 verloren ging, kommt diesen Ausführungen große Bedeutung zu.
Nach Kriegsende wurde dann wieder ein neuer Anfang gemacht. Der alte Name "Lichtbund Wuppertal, Vereinigung für Lebenserneuerung" kam wieder zu Ehren. Später wurde er in "Lichtbund Wuppertal, Vereinigung für naturnahe Lebensweise" geändert. Die Nachkriegswirren wirkten sich zwar noch auf das Gelände aus, indem einiges zerstört oder gestohlen wurde. Aber dann kehrten allmählich Ruhe und Ordnung ein. Eine neue Satzung und eine Geländeordnung mußten erstellt werden. Man beschloß, monatliche Mitteilungen an die Mitglieder zu versenden. Es ging wieder aufwärts, Saunabesuche, Tischtennisabende und FKK-Schwimmen in öffentlichen Einrichtungen wurden erkämpft und organisiert. EinJahreshauptversammlungsprotokoll vom 28.01.1961 sagt aus, daß Alfred Krebs, Gründungsmitglied und langjähriger 1. Vorsitzender, nach vielen Jahren erfolgreicher Arbeit aus Altersgründen seinen Vorsitz niederlegte. Seine Tochter, gertrud Riphahn, ist heute noch ein aktives Mitglied unseres Vereins, sie ist eine der wenigen Zeitzeugen.
Als dem Lichtbund nach 1960 folgenschwere Beeinträchtigungen des Geländes dutrch den Ausbau der Bundesautobahnen A 43 und A 46 ins Haus standen, gelang es dem damaligen Vorstand, unter besonderem Einsatz des 1. Vorsitzenden Hermann Nehdorn, durch sehr geschicktes Verhandeln, bei Ausnutzung der sich ergebenden Umstände, dieser Bedrohlichen Lage soviel Positives wie möglich abzugewinnen. Der Geländeverlust auf der einen Seite wurde auf der anderen Seite mehr als ausgeglichen. An den Straßenseiten konnte mit Hilfe von anfallendemm Abraum ein Sichtschutzwall und dazu ein fester Zaun errichtet werden. Die Verlegung der Sportplätze brachte eine erhebliche Verbesserung derselben mit sich. Da sich Maschinen und Geräte der Baufirmen in unmittelbarer Nähe befanden, waren sie uns von großem Nutzen. So wurde z.B. das Schwimmbecken ausgehoben. Einige Hütten mußten versetzt bzw. neu errichtet werden. Da der Brunnen zu versiegen drohte, mußte eine andere Wasserversorgung her. So wurden wir an das Wassernetz und auch an das Stromnetz neu angeschlossen. Damit wurde wiederum die Errichtung eines Klubhauses, der Sauna, des Schwimmbades und moderner Sanitäreinrichtungen ermöglicht. Der ausreichend bemessene Parkplatz konnte in seiner heutigen Form entstehen.
Das alles stellte natürlich auch hohe Anforderungen an den Arbeitseinsatz der Mitglieder. Mehr Sanitäranlagen bedeuteten mehr Hütten und Wohnwagen und mehr Mitglieder. Die Einrichtung einer Kantine wurde erforderlich. Das Wegenetz mußte den gestiegenen Erfordernissen angepaßt werden undmit einer Beleuchtung versehen werden.
Dann kam die Erschließung des angrenzenden Grundstückes als Gewerbegebiet, womit uns der Anschluß an das Abwassernetz auferlegt wurde. Damit war eine in frühen Jahren errichtete Kläranlage mit Dreikammersystem mit ihrer beschränkten Kapazität überholt; der Anschluß weiterer, modernerer Toilettenanlagen war möglich.
Kinderspielplatz und Jugendhütte erfuhren durch den Einsatz junger Väter und Mütter Erweiterungen und erbesserungen. Das Schwimmbad wird immer wieder an seinen technischen Alagen modernisiert und hat auch eine Abdeckung bekommen. Ein gut eingerichteter Gästeplatz für Wohnwagen und Wohnmobile steht Besuchern, insbesondere bei Sportveranstaltungen, jederzeit zur Verfügung.
Bei allen Anschaffungen, Reparaturen und insbesondere bei der Geländepflege finden Natur- und Umweltschutz vorrangige Beachtung.
Die Partnerschaft mit dem FKK-Verein der französischen Stadt St. Etienne und Sportveranstaltungen, die über die Landesgrenzen hinausgehen (speziell Boule), sorgen für internationale Kontakte.
Im Rückblick auf die Vergangenheit zeigt sich, daß die ausgeübten Sportarten einem stetigen Wandel unterliegen. In den Anfängen waren es Faustball, Völkerball und Gymnastik; in den 70er und 80er Jahren hatten wir mehrere Volleyballmannschaften (eine davon sogar in der Verbandsliga); und heute sind unsere bevorzugten Sportarten Boule, Tennis un Aerobic. Allerdings zeigt unsere starke Wandertruppe, daß es auch über 75 Jahre hinweg Beständigkeit geben kann.
Da auch unser Verein dem Wandel der Zeit unterliegt, wollen wir auch in Zukunft offen sein für alles Neue, ohne dabei unser ureigenstes Anliegen, nämlich eine "Vereinigung für naturnahe Lebensweise" zu sein, aus den Augen zu verlieren. Dazu soll uns auch dieser Rückblick auf unsere Historie dienen.
(Text nach einem Aufsatz von Erich Höfer. Erschienen in unserer Festschrift zum 75jährigen Bestehen 1999)




















